Der Anhänger mit Steckdose

Der Anhänger mit Steckdose

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Wer schon mal längere Zeit mit dem Wohnmobil unterwegs war kennt das Thema: Man braucht immer wieder mal Strom. Da wir seit fast einem Jahr komplett in unserem Wohnmobil leben und auch von dort aus arbeiten, ist das bei uns ein spezieller Fall. Wir brauchen viel Strom. Und das regelmäßig.

Hier geht es direkt zu den einzelnen Testberichten:

Auf unserer Alpentour im letzten Sommer haben wir versucht, nur mit der Technik auszukommen, die unser Wohnmobil standardmäßig bietet. Das hat nur sehr eingeschränkt funktioniert, wenn wir einen kompletten Tag arbeiten wollten. Wir mussten uns entscheiden, entweder einen Stellplatz mit Stromanschluss anzufahren, oder die Aufbaubatterie immer wieder mit dem Motor nachzuladen.

Um wirklich unabhängig zu sein und trotzdem ohne Einschränkungen auch arbeiten zu können, brauchen wir ein neues Konzept.

Wir brauchen eine Steckdose. Diese Steckdose soll überall vorhanden sein, um auch wirklich dort stehen zu können wo wir gerade stehen wollen.

Also haben wir überlegt, gegrübelt und nachgedacht. Wir haben uns umgeschaut, wo diese Steckdose sinnvollerweise sein muss. Das einzige, was immer dabei ist, ist unser Anhänger. Hier haben wir Sportausrüstungen und alles andere, was wir so zum Leben brauchen, mit dabei.

Unser Anhänger braucht eine Steckdose!

Dann können wir einfach alles, was wir zum Arbeiten brauchen und unsere mobile Wohnung mit Strom versorgen.

Also, auf zum nächsten Baumarkt, Steckdose kaufen, an den Anhänger schrauben und das Stromkabel vom Wohnmobil einstecken. Fertig!

 

Oder auch nicht… Leider muss ich feststellen, dass da kein Strom aus der Steckdose kommt. Mist.

Ok, dann muss ich mal etwas Grundwissen aus meinem Elektrotechnikstudium hervorkramen. Dabei fällt mir auf, dass man auch hinter der Steckdose etwas braucht. Da fehlen noch ein Kabel und dann noch irgendetwas, das Strom produziert.

Ein Blick auf unsere ganzen technischen Geräte, die wir so im alltäglichen Einsatz haben, lässt vermuten, dass es durchaus etwas Größeres werden muss.

Wir brauchen ein Kraftwerk!

In unseren früheren „unmobilen“ Wohnungen habe ich immer auf Öko-Strom gesetzt. Und das will ich beibehalten: Es soll ein umweltfreundliches Kraftwerk sein!

Und so entscheide ich mich für eine Solaranlage aus folgenden Gründen:

  • Im laufenden Betrieb werden keine weiteren Ressourcen außer dem Sonnenlicht benötigt. Dadurch brauchen wir keine umweltbelastenden Brennstoffe.
  • Die Stromerzeugung ist lautlos im Gegensatz zu Generatoren.
  • Die Energiegewinnung erfolgt vollautomatisch.
  • Mit dem Anhängerdach haben wir genügend Fläche zur Verfügung, um eine größere Solaranlage zu installieren.

Solaranlage selber bauen – Auf geht’s in die Planungsphase!

Eine Solaranlage selber zu bauen ist ohne weiteres möglich, wenn man etwas handwerkliches Geschick hat und sich in technische Zusammenhänge einarbeiten kann. Hier gibt’s die Kurzfassung:

Wie viel Stromverbrauch haben wir eigentlich?

In unserem mobilen Büro laufen einige technische Geräte. Mit einem Leistungsmessgerät messe ich über mehrere Tage mit, wie hoch der Stromverbrauch vermutlich sein wird. Nach vielem hin- und her- und hochrechnen komme ich zum Schluss, dass wir einen Verbrauch von ca. 1 bis 2kWh pro Tag haben.

Im Internet habe ich mal einen Schätzwert gefunden, wonach man bei einem 100W Solarpanel mit ca. 0,4kWh pro Tag rechnen kann. Um also auf 2kWh zu kommen, bräuchte ich 500W Solarleistung. Das ist schon einiges…

Eine Solaranlage in dieser Größenordnung ist allerdings nicht unbedingt normal. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Wohnmobilhändler, als mich für eine kleine Solaranlage interessierte. Der Preis war utopisch… Daher ist klar: Es wird eine Selbstbau-Lösung.

Wie viel Platz braucht eine Solaranlage?

Das Dach unseres Anhängers ist 300cm lang und 158cm breit.

Jetzt heißt es, hin und her überlegen, wie ich Solarpanels mit mindestens 500W auf das Dach bekomme und den Platz optimal ausnutzen kann.

Nach vielen Zeichnungen mit unterschiedlich aufwändigen Konstruktionen stoße ich auf die richtigen Solarpanels, die optimal auf das Anhängerdach passen 🙂 .

Aus welchen Komponenten besteht eine Solaranlage?

Als erstes braucht man Solarpanels, um Sonnenenergie in elektrische Energie umzuwandeln.

Um diese Energie zwischen speichern zu können, braucht man Batterien. Diese Batterien brauchen spezielle Eigenschaften, damit sie die vielen Lade- und Entladezyklen lange mithalten.

Dann braucht man einen Laderegler, damit die Batterien optimal geladen und nicht überladen werden.

Um mit dem Strom aus dem Batterien auch etwas anfangen zu können, braucht man einen Spannungswandler, der eine Netzspannung mit 230V zur Verfügung stellt.

Nach langem Rechnen und Abschätzen kristallisieren sich folgende Größen heraus:

  • Solarpanels mit 600W Leistung (ein bisschen Reserve schadet nicht)
  • Laderegler mit 30A Ladestrom
  • Batterien mit insgesamt 230Ah Kapazität
  • Spannungswandler mit 600W Dauerleistung

Aufbau

Die vier Solarpanels befestige ich mit einem selbstentwickelten Grundträger auf dem Dach. Die Konstruktion ist so stabil ausgelegt, dass auch eine Fahrt mit Lichtgeschwindigkeit kein Problem darstellen sollte.

grundtraeger  grundtraeger befestigen  solarpanels

Die Batterien finden im zweiten Anlauf ihren Platz in einem selbstgebauten Batteriefach und werden über 16mm² Kabel mit dem Rest des Systems verbunden.

Die gesamte Technik wird wassergeschützt in einer Box auf der Deichsel untergebracht. Und unter dieser Technikbox wird schließlich die Steckdose befestigt.

technikbox  steckdose

Und so sieht der Anhänger jetzt aus:

anhaenger vollansicht

Praxistest

Für den Praxistest fahren wir in eine Region, wo es auch im Winter viel Sonne gibt. Dies hat eigentlich weniger mit der Solaranlage zu tun, sondern eher damit, dass es einfach wesentlich wärmer als in Deutschland ist 🙂 .

Hier werden die einzelnen Komponenten der Solaranlage auf Herz und Nieren geprüft und im Dauereinsatz getestet.

Zu den ausführlichen Testberichten geht es hier:

Rentiert sich überhaupt eine Solaranlage?

Eine Solaranlage in dieser Größenordnung selbst aufzubauen kostet ca. 2000 €. Dazu eine kleine Milchmädchen-Rechnung: Wenn man beispielsweise 3 € an einem Tag für Strom zahlt (dies ist ein üblicher Betrag auf den Stellplätzen in Spanien), dann hat man hochgerechnet auf das Jahr Ausgaben von ca. 1000 €.

Somit hätte sich die Anlage schon nach zwei Jahren rentiert. An laufenden Kosten hat man im Grunde nur die Batterien, die mit der Zeit ihre Kapazität verlieren und je nach Belastung vermutlich alle 3-5 Jahre ausgetauscht werden müssen.

Durch unseren Anhänger mit Steckdose sind wir ab sofort komplett unabhängig von Kohle- und Kernkraftwerken und ebenso unabhängig von irgendwelchen Strompreisen.

Was allerdings unbezahlbar ist, ist die Freiheit, die man durch seine eigene, unabhängige Stromquelle geschenkt bekommt. Wir haben es über die letzten 4 Monate sehr stark genossen, uns keinen Kopf mehr machen zu müssen, wo wir eine Steckdose finden.

Hier geht es zu den Testberichten:

11 Antworten

  1. Michael Wilms

    Einfach nur genial.
    Wir bauen gerade einen MAN 8.185 Koffer zum Wohnmobil aus/um. Da kommen diese unzählig vielen Tipps gerade recht

  2. Michi

    Hey Michael, gerne doch 🙂 Wenn du noch Fragen hast, meld Dich! Grüße!

  3. Matze

    Wie sieht es den mit dem TÜV aus? muss der Dachaufbau hier abgenommen/eingetragen werden?

  4. Michi

    Hallo Matze,

    erst vor ein paar Wochen hatten wir einen Termin zur HU beim TÜV. Zu beanstanden war nichts 🙂 Ist also anscheinend kein Thema.

    Grüße!

  5. Moin Moin!

    Da ich zur Zeit ein ähnliches Projekt angehe, bin ich bei meiner Recherche im Netz auf Deinen Blogpost gestoßen … sehr interessante und nützliche Infos!

    Zwei Fragen stellen sich mir, wenn ich mir Deine Konstruktion so ansehe:

    1. Wie steht es mit Windgeräuschen bei der Art der Anbringung auf dem Dach des Anhängers?
    2. Hat der TÜV nichts dazu gesagt, dass Du die Steckdosen direkt auf die Deichsel geschraubt hast? Auch in meinem Fall wäre das der beste Ort allerdings erzählt mir alle Welt, dass man die Deichsel als tragendes Element nicht anbohren darf.

    Viele Grüße aus dem Münsterland

  6. Michi

    Hallo Jan,

    anfangs habe ich zwecks Windgeräusche über eine Art Spoiler nachgedacht, dann aber darauf verzichtet, da das Wohnmobil etwas höher als der Anhänger ist. Windgeräusche habe ich bisher noch keine wahrnehmen können (ich bin sehr „geräusch-sensibel“).

    Die Deichsel anzubohren habe ich mich anfangs auch nicht getraut. Wegen der Deichselbox habe ich aber beim Hersteller nachgefragt, wie die am besten befestigt werden sollte. Die meinten nur, dass das gar kein Problem sei. Auch für das Deichselrad oder sonstige Anbauten wird einfach mal schnell ein Loch gebohrt. Um den Rahmen zu schwächen wäre da schon mehr notwendig… Zur Sicherheit einfach mal beim TÜV vorbeischauen und nachfragen, die sind meist auskunftsfreudig.

    Viele Grüße!

  7. Eveline Reinke

    Hallo, ich überlege günstig einen Anhänger zu gestalten, der Strom hat womit ich eine Kühlung für Eis machen kann bzw einfach einen Mixer benutzen kann, der Strom braucht.
    Ich möcht gern Eis verkaufen.
    Erst dachte ich auch, das müsste auch in Klein gehen für ein Fahrrad.
    Ich weiss nur nicht sicher, wieviel Strom es braucht und wie groß muss es sein, wenn es mit Solar ist damit das reicht.
    Vielleicht kann mir jemand ein bischen beratend helfen. Es ist langfristig gesehen zu realisieren, nicht so schnell. Aber ich möchte schonmal planen.
    Viele Grüße aus Düsseldorf
    Eveline

  8. Michi

    Hallo Eveline,

    coole Idee! Das hängt in erster Linie mit dem Stromverbrauch der Kühlung und des Mixers zusammen.

    Du brauchst dazu:

    Zum Abschätzen suche dir erstmal die Geräte (Mixer, Gefrierschrank, …) raus, die du gerne an so einer Solaranlage betreiben willst. Wichtig ist die Wattzahl und wie lange (Stunden) du das jeweilige Gerät am Tag verwenden willst. Dann melde dich nochmal, ich helfe dir gerne weiter 🙂

    Grüße
    Michi

  9. Johann

    Einfach Genial.
    Danke für die tollen Tipps.
    So habe ich das bei mir gelöst:
    Kofferanhänger mit einer Achse und einer Dachfläche ca. 135×260 cm.
    – 4x 12V- Solarmodul Mono 130 Wp.
    – MPPT-Solarregler 40A
    – Günstiger Stromumwandler 12-1000W (Kosten ca. 65€ bei Ebay)
    – Zwei AGM Starterbatterie mit jeweils 105A.

    Funktioniert alles einwandfrei, sogar im Winter reichen mir 3 bis 4 Sonnenstunden um meinen Stromverbrauch zu decken.

    Gruß
    Johann

  10. Struck Matthias

    Hallo michi hammer geil brauche ebenfalls die Hilfe von euch habe einen Koffer anhänger ca 2.50m lang u 1.50m b für.s angeln nun brauche ich Strom für eine kühlbox und mal die Handys zu laden so günstig wie möglich wäre top was brauche ich alles auch mit der Befestigung was hast du da genommen über eure Hilfe wäre ich sehr dankbar da ich das Projekt bald starten möchte Gruß matze

  11. Hi Matze!
    Mit deinem Anhänger solltest du auf jeden Fall genügend Platz für Solarpanels haben :-). Als Billiglösung reicht für dich vielleicht sogar nur eine Autobatterie, die du daheim über ein Ladegerät vollädst. Kommt allerdings darauf an, wie lange du beim Angeln bist 🙂
    Für eine auf Langfristigkeit ausgelegte Lösung musst du schon etwas Budget einplanen: Du brauchst dazu auf jeden Fall Solarpanels, Solarladeregler und eine Batterie. Zusätzlich noch Material zum Verkabeln und Befestigen.
    Befestigt habe ich meine Panels mit „Recycling-Material“. Einfach mal bei einem metallverarbeitenden Betrieb in der Nähe vorbeischauen, bei Instandhaltungen usw. fällt immer wieder etwas an. Das kostet jedoch eines: Arbeitszeit. Meine Unterkonstruktion ist ziemlich aufwändig aus einem Grundträger in der Mitte und Winkeln an der Seite. Am schnellsten und unkompliziertesten geht’s jedoch mit Systemprofilen. Zur Auslegung der Solaranlage schau mal hier: Solarpanel-Ratgeber.
    Grüße, Michi

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