IAA Mobility 2021 - Titelbild

IAA Mobility 2021 – Kann man in 10 Jahren noch mit einem Wohnmobil reisen?

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Endlich sind wieder Messebesuche möglich. Also raus aus dem Schneckenhaus und die wieder mögliche Mobilität genießen! Seit meinem letzten Besuch der IAA ist jetzt mehr als ein Jahrzehnt vergangen, mich persönlich freut es, dass sie nach München verlegt wurde :-).

Aber schon im Vorfeld wurde klar, dass sich vieles verändert hat. Damals steckten Technologien wie hybride oder gar rein elektrische Antriebe in den Kinderschuhen, heute sind sie schon in der breiten Masse allgegenwärtig.

Wie wird es in weiteren 10 Jahren aussehen? Das sind auch die Hauptthemen auf der IAA unter dem Motto „What will move us next“.

In diesem Beitrag werde ich von meinen persönlichen Messe-High-Lights berichten, natürlich auch ein bisschen mit der WohnMOBIL-Brille auf ;-). Viel Spaß beim inspirieren lassen!

 

Fakten zur Messe

Datum und Ort: 7. bis 12. September 2021

Aussteller: 744

Besucher: 400.000

Nächste Messe: 5. bis 10. September 2023 in München

Website: www.iaa-mobility.com

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Hat der Dieselmotor für Wohnmobile ausgedient?

Auch wenn die Gegen-Demonstrationen zur IAA ein anderes Bild suggerieren wollen, auf der Messe wirkt der klassische Verbrennermotor nur noch wie ein Nischenprodukt. Es dreht sich auf der Messe sehr stark um Nachhaltigkeit und Elektromobilität.

Aber kann man mit einem Wohnmobil rein elektrisch fahren? Auch wenn die Batterien immer leistungsfähiger werden, rein elektrisches Fahren scheint nicht die optimale Lösung zu sein. 

Einen Ansatz liefert ein Konzept von Quantron und AE Driven Solutions: Ein Iveco Daily (also die 3,5t-Transporterklasse wie der typische Fiat Ducato) wurde mit einer Kombination aus Elektro- und Wasserstoffantrieb ausgerüstet. Der Antrieb ist rein elektrisch, der Batteriespeicher ist allerdings relativ klein bemessen. Der Clou: Über eine Brennstoffzelle, die sich im ehemaligen Motorraum befindet, wird die Batterie nachgeladen. Der Tank dazu ist hinter dem Fahrerhaus untergebracht, am Unterboden sieht man sehr gut die Verkabelung des Elektroantriebes. 

IAA 2021- Quantron Q-Light FCEV - Seitenansicht

IAA 2021- Quantron Q-Light FCEV - Motorraum

IAA 2021- Quantron Q-Light FCEV - Unterboden

Auch wenn das ausgestellte Fahrzeug nur ein Prototyp ist, zeigt es jedoch sehr gut eine mögliche Umrüst-Lösung für bestehende Fahrzeuge.

Sollte man sich also noch ein Wohnmobil mit Dieselmotor (egal ob neu oder gebraucht) kaufen? Dazu sollte man sich mit dem Thema CO2 vs. Erdatmosphäre mit einem gesunden Menschenverstand auseinandersetzen.

Meine persönliche Meinung: Nein. Aber: Es gibt aktuell noch keine Alternative. Das würde also auch bedeuten, komplett auf’s Wohnmobil zu verzichten. Und auf’s Reisen allgemein. Als Verbraucher hat man nur einen begrenzten Spielraum. Hier muss eine radikale politische Lösung her. Diese Lösung habe ich leider nicht auf der Messe finden können. Die Hersteller und Zulieferer rüsten sich zwar schon hoch in diese Richtung, aber der entsprechende Druck ist noch nicht geschaffen.

Hier mal ein radikaler Vorschlag: Rückbau des gesamten Tankstellennetzes für konventionelle Kraftstoffe in Deutschland/Europa/weltweit. Und zwar innerhalb von 3 Jahren.

Damit schaffe ich mir sicherlich keine Freunde in den OPEC-Staaten… Aber was wäre die Folge? Für Wohnmobile (und alle anderen Fahrzeuge natürlich auch) würde die Forschung, Entwicklung und Serienproduktion für Alternativen einen enormen Aufschwung erleben. Wenn die Infrastruktur z.B. für Wasserstoff entsprechend ausgebaut ist und ich mein Wohnmobil über ein Förderprogramm umrüsten könnte, wäre ich schnell dabei…

 

Wird man in 10 Jahren noch selber fahren können?

Autonomes Fahren klingt zwar immer noch wie Zukunftsmusik, es gibt aber viele konkrete Eindrücke. Sehr eindrucksvoll sind beispielsweise die Vorführungen im Parkhaus. Hier parken Prototypen selbstständig ein, fahren zum (Strom) tanken und reagieren auf Hindernisse.

Es klingt aktuell noch wie Zukunftsmusik aber autonomes Fahren hat gewaltiges Potential. Ein Gegenpol dazu ist die vorhandene Infrastruktur und die Gewohnheiten. Die Frage könnte in 10 Jahren dann evtl. lauten: Will man noch selber fahren?

 

Gedanken zur Wohn-Mobilität in der Zukunft

Aber was bedeutet der technische Fortschritt für Wohnmobile? Das ist ja eine höchst individuelle Form der Mobilität. Dabei geht es ja nicht darum, Personen oder Material von A nach B zu bringen, sondern eher darum, mit den eigenen vier Wänden zu reisen.

Eine Denkrichtung geht dahin, Mobilitäts-Dienstleistungen „as a Service“ (aaS) anzubieten. Bei Elektro-Scootern in Großstädten ist dies ja schon gegenwärtig. Bei Car- und Bike-Sharing ebenso. Und bei Wohnmobilen? Naja, die klassische Wohnmobilvermietung gibt es ja auch schon länger. Das ist auch super, wenn man mal nur für 2 Wochen an den Campingplatz in Italien fahren will. Sobald man aber etwas individuelle Vorstellungen hat, funktioniert das natürlich nicht mehr. Ich gehe mal schwer davon aus, dass ein Vermieter etwas dagegen hätte, wenn ich ihm das ein oder andere umbauen würde 😉

WaaS „Wohnmobil as a service“ ist für mich bzw. die Art und Weise, wie ich ein Wohnmobil nutze, nicht wirklich vorstellbar. Ich will meine Standard-Dinge fertig gepackt dabei haben, um recht spontan für’s Wochenende losfahren zu können. Ich will meine eigenen, mobilen vier Wände um mich herum haben, mein eigenes Bett, mein eigenes Klo und ich will wissen, was in meinem Wassertank lebt.

 

Überaus erfreut war ich daher über eine Entdeckung auf der IAA, die die Fantasie anregt: Auf dem Stand des DLR wird das Fahrzeugkonzept U-Shift vorgestellt, bei dem die Antriebseinheit von der Nutzeinheit getrennt ist.

Leider war der Stand auf dem ausgelagerten Messeareal am Odeonsplatz. Auch wenn die Integration der Messe in die Innenstadt recht interessant erscheint, die Wege bedeuten einfach zu lange Fahrzeiten. In München gibt’s halt keinen Transrapid, mit dem man in 10 Minuten überall hinkommt. So hatte ich nur ein kurzes Zeitfenster, um beim DLR vorbeizusehen. Da es in Strömen regnete, war leider alles abgedeckt und nur sehr wenig zu sehen, ich hätte das gerne auf ein paar Fotos festgehalten. Ich konnte allerdings trotzdem ein Foto vom Innenraum der Personenkapsel machen. 

IAA 2021 - DLR U-Shift Personenkapsel innen

Die Abmessungen wären ja optimal für einen Wohnmobil-Ausbau… Sitzbänke raus, andere Fenster, Bett, Sofa, Schränke, Badezimmer und Technik rein, Solar auf’s Dach…

Na, das könnte funktionieren! Damit hätte man seine eigene Wohnkabine. Die Antriebseinheit einfach bei Bedarf anfordern und an den gewünschten Ort versetzen lassen. Wozu noch einen ganzen Reisetag verschwenden? Einfach über Nacht autonom ans Meer fahren lassen, einen Tag dort verbringen und dann in der nächsten Nacht zur nächsten Stadt für eine Standbesichtigung bringen lassen. Ja, autonomes Reisen könnte sehr interessant werden! 

 

Gedanken auf der Heimfahrt

Nach der IAA bin ich mit dem Auto wieder nach Hause gefahren. 1,5 Stunden Fahrzeit, hauptsächlich Autobahn und Landstraße. Einziges Assistenzsystem: ABS (aber das brauche ich auf dieser Fahrt nicht).
Ich fahre ja grundsätzlich recht gerne Auto, bei solchen Strecken aber eigentlich auch gerne auf dem Beifahrersitz. Und so träume ich (voll konzentriert auf den Verkehr und immer wieder auftretende Geschwindigkeitsbeschränkungen) so ein bisschen vor mich hin… Ja, diese Fahrt hätte ich auch gerne einem autonomen Fahrzeug überlassen. Aber mit meiner Musik im Radio, meiner Sonnenbrille an der Stelle, wo ich sie immer finde, dem Ladegerät für’s Handy und der Flasche Wasser im Beifahrerfußraum.

Und so ähnlich sind ja die Strecken auch mit dem Wohnmobil…

 

Quellen:

[1] https://www.iaa-mobility.com/iaa-mobility/de/presse/iaa-mobility-2021-grosser-erfolg-in-muenchen

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